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EM-Rente mit 63 oder Altersrente?

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Je höher das Alter, desto häufiger und chronischer die Krankheiten. Die meisten Erwerbsminderungsrenten werden vor diesem Hintergrund in den Jahren vor dem Rentenbeginn bewilligt.

EM-Rente mit 63 oder Altersrente?

In der Regel haben Sie keine Wahlmöglichkeit, wenn Sie schwer erkranken. Doch nehmen wir einmal an, dass Sie bereits 63 und gesundheitlich so schwer angeschlagen sind, dass eine Erwerbsminderungsrente möglich wäre. Wie sollten Sie sich in dieser Situation entscheiden?

Erwerbsminderungsrente? Oder früher in die Altersrente?

Noch einmal zur Erinnerung: Eine Rente wegen voller Erwerbsminderung erhalten Sie nur, wenn Sie dauerhaft - also länger als sechs Monate - weniger als drei Stunden am Tag arbeiten können. Egal in welchem Beruf. Zusätzlich muss eine bestimmte Wartezeit erfüllt sein, die wir gern unter dem Begriff 5-5-3-Regel zusammenfassen.

Die EM-Rente erhalten Sie also nur, wenn Sie schwerwiegend und chronisch krank sind.

Ab 63 können Sie aber auch in die vorgezogene Altersrente - egal, in welchem Jahr Sie geboren sind. Falls Sie einen Schwerbehindertenausweis haben, steht das Tor zur Altersrente für schwerbehinderte Menschen offen. Alternativ die Altersrente für langjährig Versicherte. Beiden Varianten ist gemein, dass Sie über 35 Versicherungsjahre verfügen müssen. Was hier alles mitzählt, erfahren Sie in diesem Video.

Rente mit 63: Mit oder ohne Schwerbehinderung

Zum 63. Geburtstag kommen Sie weder mit noch ohne SB-Ausweis abschlagsfrei in die vorgezogene Altersrente. Nicht zu diesem Zeitpunkt. Der wesentliche Unterschied besteht in der Höhe des Abschlags.

Mit Schwerbehinderung kostet Sie die Rente mit 63 satte 7,2 Prozent weniger Abzüge. Bei einer Brutto-Rente macht das einen Unterschied von 72 Euro aus. Jeden Monat. Dauerhaft. Wie hoch der Abschlag insgesamt ist, hängt von Ihrem Geburtsjahr ab. Für die Altersrente für langjährig Versicherte können Sie sich an dieser Tabelle orientieren.

Jeder Monat, den Sie vor der Regelaltersgrenze in die Rente gehen, kostet - ohne Schwerbehinderung - 0,3 Prozent Abzug. Dauerhaft. Bis ans Lebensende. Je früher Sie geboren sind, desto geringer der Abschlag. Für alle, die 1964 oder später geboren wurden, kostet die Rente zum 63. Geburstag demnach 14,4 Prozent.

Wenn Sie jedoch die Altersrente für schwerbehinderte Menschen bekommen können, verringert sich der Abschlag jeweils um 7,2 Prozent. Zum Hintergrund: Nicht die Regelaltersgrenze ist hier für die Abzüge maßgeblich, sondern der Zeitpunkt, zu dem Sie später in die abschlagsfreie Rente kommen würden. Das klingt sehr theoretisch - am besten schauen Sie sich dazu diesen Beitrag an.

Falls Sie Baujahr 1963 sind und zum 63. Geburstag in die vorgezogene Rente möchten, würde das mit aktueller Schwerbehinderung also "nur" 6,6 Prozent Abschlag kosten. Ohne SB-Ausweis 13,8 Prozent.

Besser in die Erwerbsminderungsrente

Jetzt aber zurück zu unserer Ausgangsfrage: Sollten Sie mit 63 lieber in die Alters- oder in die Erwerbsminderungsrente gehen? Erfreulicherweise gibt es dazu dieses Mal eine eindeutige Antwort. Keine Selbstverständlichkeit im Sozialrecht, wo vieles vom Einzelfall abhängig ist.

"Ab 63 sollten Sie die EM-Rente nehmen. Das ist finanziell vorteilhafter für Sie als die vorgezogene Altersrente."

Christian Schultz, SoVD Schleswig-Holstein

Ab Vollendung des 63. Lebensjahres bekommen Sie die EM-Rente abschlagsfrei. Zumindest dann, wenn Sie 35 Versicherungsjahre voll haben. Gleichzeitig wird die EM-Rente durch die sogenannte Zurechnungszeit so hochgerechnet, als ob Sie bis zur Regelaltersgrenze gearbeitet hätten.

Demgegenüber steht Ihre vorgezogene Altersrente - mit oder ohne Schwerbehinderung - auf die Sie in jedem Fall Abschläge hinnehmen müssen.

Abschließend kommt das Argument des Bestandsschutzes hinzu: Denn wenn Sie innerhalb von 24 Monaten nach Ablauf der EM-Rente in die Altersrente wechseln, gilt ein Bestandsschutz. Ihre Altersrente kann nicht niedriger sein als die zuvor bezogene Rente wegen Erwerbsminderung. Mit einfachen Worten ausgedrückt: Bei der EM-Rente gibt es für Sie einfach mehr Geld.

Fazit

Sie sind 63 oder werden es demnächst? Sie sind chronisch krank, so dass eine Erwerbsminderungsrente im Raum steht? Dann sollten Sie diese auch in Anspruch nehmen. Aufgrund der fehlenden Abschläge und der Zurechnungszeit ist das in jedem Fall die bessere Wahl im Vergleich zu einer vorgezogenen Altersrente.

Einzige Ausnahme: Seit Anfang 2023 gelten sowohl in der vorgezogenen Alters- als auch in der EM-Rente neue Hinzuverdienstgrenzen. Wenn Sie über ein exorbitant hohes Einkommen neben der Rente verfügen, kann es daher theoretisch sinnvoll sein, in diesem Fall in die Altersrente zu gehen. Aber das muss man sich individuell ausrechnen lassen.


Kommentare (6)

  • user
    Uwe
    am 26.01.2023

    "Ab Vollendung des 63. Lebensjahres bekommen Sie die EM-Rente abschlagsfrei."

    Das wage ich nb mal zu bezweifeln.

    Ich muss für die Zeit vom Beginn der EMR bis zur abschlagsfreien Altersrente 0,3% Abschläge pro Monat hinnehmen.

  • user
    Manfred Dünzer
    am 26.01.2023

    bin durch einen Unfall 1982 50 Protzent Schwerbehindert.Bin 1964 gebohren.Habe 1979 die lehre begonnen.Habe die Prüfung eum Kfz Mechaniker dann 1985 gemacht.Habe eine Umschulung zum Handwerker im Berufsvörderungswerk Vallendar gemacht. Bun seit 1986 am arbeiten und möchte in Rente gehen.Wann kann ich das tun?mfg Manfred Dünzer

    • user
      Christian Schultz
      am 26.01.2023

      Hallo Manfred, die allgemeinen Renteninfos zu Ihrem Jahrgang sind aktuell noch die gleichen wie für den Jahrgang 1980. Schauen Sie mal hier rein: https://www.sovd-sh.de/aktuelles/meldung/rente-mit-jahrgang-1980

      Aber darüber hinaus empfehle ich Ihnen eine persönliche - und kostenlose - Beratung bei der Deutschen Rentenversicherung.

  • user
    Christiane
    am 26.01.2023

    Also irgendetwas stimmt bei ihren Erklärungen nicht. Ich bin 63 mit GdB 50

    Und kam jetzt Abschlagsfrei in die vorgezogene Alters Rente gehen.

  • user
    Claus Müller
    am 26.01.2023

    „Abschlagsfreie Rente ab 60 für Schwerbehinderte denkbar“

    Ich erlaube mir mal, einen interessanten Link von "Ihre-Vorsorge.de" einzufügen.

    https://www.ihre-vorsorge.de/nachrichten/lesen/abschlagsfreie-rente-ab-60-fuer-schwerbehinderte-denkbar.html?cid=ivnewsl

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