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Rente nach 45 Jahren: Zählt Arbeitslosigkeit nach dem Krankengeld als Wartezeit?

Aktuelles Rente Gesundheit

Um die Altersrente für besonders langjährig Versicherte halten sich zahlreiche Gerüchte im Umlauf. Ein wenig komplizierter ist es jedoch bei der Frage, ob Arbeitslosengeld I als Wartezeit anerkannt wird. Das kommt tatsächlich auf die Situation an.

Zählt ALG I als Wartezeit für die Rente, wenn es nach dem Krankengeld gezahlt wird?

Die Altersrente nach 45 Jahren fällt im Vergleich zu anderen Rentenformen relativ hoch aus. Im letzten Jahr betrug die monatliche Zahlung für Neurentner im Schnitt 1.393,40 Euro - deutlich mehr als bei den übrigen gängigen Rentenarten.

Dafür sind bei der sogenannten Altersrente für besonders langjährig Versicherte aber ziemlich schwere Voraussetzungen zu erfüllen. In der Sozialberatung des SoVD Schleswig-Holstein erleben wir es sehr häufig, dass unsere Mitglieder die erforderlichen 45 Jahre Wartezeit nicht erreichen.

Wie Sie in der Grafik oben sehen können, führen mehrere Wege nach Rom. Auf 45 Jahre kommen Sie nicht unbedingt nur durch Erwerbsarbeit - auch Kindererziehung oder Zeiten, in denen Sie Krankengeld erhalten haben, spielen eine wichtige Rolle.

Komplizierter wird es beim Thema Arbeitslosigkeit. Hier muss man genauer hinschauen, wenn es um die Wartezeit in der Deutschen Rentenversicherung geht.

Besonders verwirrend ist, dass bei anderen Rentenoptionen - bei der Rente mit Schwerbehindertenausweis oder mit Abzügen - Arbeitslosigkeit grundsätzlich Wartezeit ist. Also auch "Hartz IV" oder die frühere Arbeitslosenhilfe. Bei der Altersrente nach 45 Jahren, bei der Sie ohne Abzug Ihren Ruhestand antreten, ist es nicht ganz so einfach.

Hier bringt Sie nur das Arbeitslosengeld I weiter. Aber mit einer wichtigen Ausnahme.

In den letzten 24 Monaten vor dem Beginn Ihrer geplanten Altersrente für besonders langjährig Versicherte wird auch das Arbeitslosengeld I nicht bei der Wartezeit berücksichtigt. Das bedeutet: Sind vor dem Verlust des Jobs noch keine 45 Jahre erfüllt, müssen Sie zusehen, wie Sie die fehlenden Monate zusammenbekommen. Dazu lesen Sie am besten diesen Artikel.

ALG I nach Krankengeld

Und wie ist es in der besonderen Situation, wenn Sie Arbeitslosengeld nur beziehen, weil Sie langzeitkrank sind? Wenn das Krankengeld ausläuft, folgt die Aussteuerung. Trotz Job und Kranmeldung können Sie jetzt bis zu 24 Monate - je nach Alter und Vorversicherung - ALG I beziehen.

Welche Rolle spielt diese Form des Arbeitslosengeldes nun für die Wartezeit in der Rente?

Die kurze und klare Antwort lautet: Hier gibt es keine Ausnahme. Auch wenn Sie Arbeitslosengeld nach der Aussteuerung beziehen, wird dieses für die Wartezeit in der Deutschen Rentenversicherung genauso gewertet wie sonst auch. Falls Ihnen also noch einige Monate bis zur 45 fehlen, müssen Sie einen anderen Weg finden, Ihre Wartezeit zu vervollständigen - zum Beispiel mit freiwilligen Beiträgen.

Fazit

Wichtig ist: Die 45 muss stehen. Möglichst noch vor Beginn der Arbeitslosigkeit. Wenn Sie darauf keinen Einfluss haben, zum Beispiel wegen einer langen und schweren Erkrankung, lassen Sie sich am besten rechtzeitig sozialrechtlich beraten. In diesem Fall geht das kostenlos bei der Deutschen Rentenversicherung. Oder Sie nutzen als Mitglied des SoVD unsere Sozialberatung.


Kommentare (29)

  • user
    Heiko Gutzler
    am 02.08.2022

    Ich bin Jahrelang 58 und habe seit 01.08.73

    ohne Unterbrechung gearbeitet.

    Ab September gehe ich mit 64 J. in Rente und habe meinen Rentenbescheid bereits.

    Wäre es möglich gewesen noch 2 Jahre Arbeitslos zusein (Arbeitslosengeld und Rente wären ungefähr gleich), da meine Regelaltersrente bei 66 liegt.

    Wenn ja, hätte mir das etwas gebracht?

    War ich zu ehrlich??

    • user
      Christian Schultz
      am 06.08.2022

      Hallo Heiko, rein theoretisch hätten Sie vielleicht noch 24 Monate ALG I beziehen können. In dieser Zeit wachsen Ihre Rentenansprüche noch etwas an, das hätte finanziell also schon etwas gebracht. Andererseits hätten Sie sich auch aktiv um Arbeit bemühen müssen - je nach Arbeitsvermittler kann das richtig stressig sein.

  • user
    Jörg Dostmann
    am 27.07.2022

    Hallo,

    ich bin 11.1963 geboren und habe 1981 mit der Ausbildung begonnen. Ich werde demnach 2026 meine 45 Jahre für besonders langjährig Versicherte voll haben. Demnach kann ich doch noch anschließend ab 11.2026 zwei Jahre Arbeitslosengeld I beziehen und dann mit 65 Jahren und 10 Monaten in Rente gehen. Richtig?

  • user
    Ostfriese
    am 06.07.2022

    Hallo,

    ich bin Jahrgang 64, habe durchgängig gearbeitet und meine 45 Jahre mit 61 zusammen.

    Hier meine Fragen:

    Könnte ich die letzten 2 Jahre bis zu meinem 63ten lebensjahr in Arbeitslosigkeit verweilen und mit 7,20 % Abzüge in Rente für besonders langjährig Versicherte gehen oder würde dass dann bis zur Regelaltersrente 67 aufgerechnet mit 14,4 % Abzüge?

    Oder alternativ dann noch 2 Jahre Arbeit dranhängen bis zu meinem 63ten Lebensjahr. Könnte ich dann die letzten 2 Jahre bis zu meiner Rente für besonders langjährig Versicherte/65tes Lebensjahr mit Arbeitslosigkeit überbrücken?

    MfG Ostfriese

    • user
      Christian Schultz
      am 07.07.2022

      Hallo Ostfriese, wenn Sie vor 65 in Rente gehen, ginge das nur über die Altersrente für langjährig Versicherte. Da beträgt der Abschlag für Sie zum 63. Geburtstag 14,4 Prozent.

      Bei 45 erfüllten Jahren können Sie natürlich noch bis 65 Arbeitslosengeld beziehen. Zum 65. Geburtstag könnten Sie dann abschlagsfrei in die Rente. Allerdings müssen Sie sich beim Bezug von ALG I auch um Arbeit bemühen. Wie intensiv - das hängt dann von Ihrem Vermittler ab. Und es drohen auch Sperren beim ALG I, lassen Sie sich in jedem Fall vorher beraten.

  • user
    Dieter
    am 30.05.2022

    Ich bin Jahrgang 1960 und habe seit 2020 meine 45 Versicherungsjahre erreicht. Kann aber erst am 01.07.2024 abschlagsfrei in Rente (64 und 4 Monate) gehen. Zur Zeit sieht es nicht gut bei uns in der Firma aus. Es wurde mir vorgeschlagen, das ich mich vom 01.01.2023 bis 30.01.2024 arbeitslos melden kann um somit die Zeit bis zum Renteneitritt mit 64 und 4 Monaten zu überbrücken. Soll ich das machen ? Habe ich dann auch keine Nachteile ? Wenn ja welche ?

    Danke für eine Rückmeldung

    Grüße

    Dieter

    • user
      Christian Schultz
      am 30.05.2022

      Hallo Dieter, die beste Option wäre natürlich, bis zum Rentenbeginn weiterzuarbeiten. Wenn das nicht geht, sollten Sie sich arbeitsrechtlich beraten lassen. Damit Ihnen bei der Kündigung oder dem Aufhebungsvertrag keine Nachteile entstehen.

      Die 45-jährige Wartezeit haben Sie ja erreicht, das kann Ihnen also niemand mehr nehmen.

  • user
    Peter Buck
    am 23.05.2022

    Liebes Team,

    gesetzt den Fall, ich kündige jetzt mit 54 meinen Job und erhalte 18 Monate Arbeitslosengeld, zählt das dann zur Wartezeit /Erfüllung der Anwartschaft für langjährig Versicherte (45 Jahre), oder muss ich dann 18 Monate länger warten, um als langjährig Versicherter in Rente gehen zu können ? Vielen Dank für eine kurze Antwort.

    • user
      Christian Schultz
      am 24.05.2022

      Hallo Peter, diese Zeit im Bezug von ALG I würde auch bei der 45-jährigen Wartezeit mitzählen. Denn Sie können ja im Anschluss noch lange nicht in Rente gehen. Nur die letzten 24 Monate vor Rentenbeginn sind problematisch.

  • user
    Andrea Elsner
    am 19.05.2022

    Kann Harz IV Stelle mich zwingen einen Antrag auf Rente zu stellen ?

    Habe 45 Jahr voll 3 Monate fehlen mir.

    Kann aber ohne Abzüge erst ab 01.01.2024 gehen.

    Sie drohen damit das sie vom Jobcenter Antrag stellen.

    Bewerbe mich aber immer noch werde im Oktober 63.

    Kann man mich zwingen mit Abzug 11,4 % zu gehen bin Allein stehend.

  • user
    Michaela
    am 22.03.2022

    Hallo Christian,

    ich arbeite seit 01.10.1982, mit 4 1/2 Monaten Arbeitslosigkeit, wann genau sind die 45 Jahre erreicht 01.Oktober 2027 oder 01.November 2027?

    Mit Geburtsjahr 1964 erhalte ich die Rente für besonders langjährige Versicherte ohne Abschläge erst ab 01.04.2029.

    Wie überbrücke ich die Zeit vom 01.11.27 - 01.04.29 ohne zu arbeiten.

    Kündigen und arbeitslos melden mit 3 Monaten Sperrfrist?

    Danke für deine hilfreichen Infos .

  • user
    Thomas Hellmig
    am 01.02.2022

    Hallo, mein Vertrag als Geschäftsführer endet am 31.12.2023. Ich hätte am 28.08.2024 (also Jahrgang 60) meine Wartezeit erfüllt. Ich plane mich Arbeitslos zu melden. Da mir nur 9 Monate zur Erfüllung der Wartezeit fehlen, die Arbeitslosigkeit voraussichtlich aber 24 Monate läuft, stellt sich die Frage, ob die restlichen 15 Monate ALG 1 zur Wartezeit zählen und ich dann am 01.01.2026 ( 9 Monate vor der Regelaltersrente) die Altersrente für besonders langjährlich Versicherte in Anspruch nehmen kann. Oder hänge ich 9 Monate in der Luft?

  • user
    Christine Böhm
    am 30.01.2022

    Hallo, ich habe am 1.9.22 45 jahre gearbeitet und möchte am 1.7.23 wegen gesundheitlichen Gründen aufhören. Da ich erst 2025 mit 63 in die rente gehen kann würde ich gerne wissen ob die 2 jahre arbeitslosigkeit auf die rente angerechnet werden?

    • user
      Christian Schultz
      am 31.01.2022

      Hallo Christine, auch beim Bezug von ALG I werden Rentenbeiträge gezahlt. Immer. Ein Problem kann es nur geben, wenn die 45-jährige Wartezeit noch nicht erfüllt ist, wenn Sie arbeitslos werden. Das wäre bei Ihnen aber nicht der Fall. Mehr zu diesem Thema hier: www.sovd-sh.de/aktuelles/meldung/mit-63-in-die-rente-aber-vorher-arbeitslos

  • user
    Margrit Bodenburg
    am 19.01.2022

    Hallo, ich habe eine Frage zu den 45 Jahren Wartezeit.

    Ich hätte im Mai 2023 meine 45 Jahre Wartezeit erreicht.

    Das Problem ist, da die Firma im Oktober 2022 schließt, fehlen mir 8 Monate.

    Mir wurde gesagt, dass bei Schießung der Firma die 2 Jahre Arbeitslosigkeit angerechnet werden als Wartezeit.

    Jetzt habe ich aber für 2023 vor mich einer größer OP zu unterziehen. Zählt die Zeit der Krankheit während der Arbeitslosigkeit trotzdem als Wartezeit zu den 45 Jahren ?

    • user
      Christian Schultz
      am 19.01.2022

      Hallo Margrit, in dieser Zeit würden Sie ja Krankengeld beziehen. Und das zählt ebenfalls als Wartezeit bei den 45 Jahren.

  • user
    Zoltán Hajdú
    am 25.12.2021

    Ich habe ca. 48 jahre gearbeitet, 27.06.59.mochte meine rente beantragen, muss ich mit abzuge rechnen?

  • user
    Stefan Lauer
    am 28.11.2021

    Hallo, ich würde gerne im Alter von 63 Jahre Zuhause bleiben. In was für einer Form auch immer. Ich hätte mit 62 Jahren meine 45 Rentenbeitragsjahre voll. Was wäre da am sinnvollsten?

    Arbeitslos?

    Rente beantragen?

    Oder sich noch bis zum Alter 65 krank schreiben lassen? Also auf sterbender Schwan machen.

    Werden im letzten Fall noch Beiträge von der Krankenversicherung für die Rentenversicherung auf die Rente angerechnet.

    Mfg. Stefan Lauer

    • user
      Christian Schultz
      am 29.11.2021

      Hallo Stefan, während des Bezugs von ALG I werden immer Rentenbeiträge gezahlt. Vor der hier im Beitrag beschriebenen Rente für besonders langjährig Versicherte zählen die letzten 24 Monate vor dem Rentenstart aber nicht als Wartezeit.

      Was in Ihrem Fall am sinnvollsten ist, müsste man sich aber in Ruhe anschauen. Hier im Forum können wir das leider nicht klären.

  • user
    Lutz Neubert
    am 09.11.2021

    Liebes Team,

    Ich habe eine Frage zum Thema Renteneinstieg.

    Ich bin Jahrgang 08/59

    Meine Lehre habe ich 1976 begonnen.Demzufolge habe ich meine 540 Monate Wartezeit am 31.10.2021 erreicht. Zur Zeit bin ich Krank geschrieben.Was warscheinlich noch bis ins nächste Jahr andauert.

    Ich muß daher annehmen,dass mich mein Arbeitgeber im nächsteh Jahr kündigen wird.Wobei ich 27 Jahre im Betrieb bin,und ich damit eine Kündigunsfrist von 7 Monaten hätte.

    Also bin ich dann Arbeitslos, und muss mich beim Arbeitsamt melden.

    Um die Rente für „besonders langjährige Versicherte“ in Anspruch zu nehmen,würden mir dann

    noch 2 Jahre fehlen.

    Jetzt meine Frage: Wenn ich mich beim Arbeitsamt arbeitslos melde, wird mir dann diese Zeit als Wartezeit mit gutgeschrieben ? Da ich ja bereits meine 45 Jahre erfüllt habe. Und ich somit am 01.11.2023 ohne Abzüge in Rente gehen kann?

    Vielen Dank für eine Antwort Lutz Neubert

    • user
      Christian Schultz
      am 09.11.2021

      Hallo Lutz, wenn die 45 Jahre bereits erfüllt sind, bevor Sie arbeitslos werden, kann Ihnen niemand mehr die Altersrente für besonders langjährig Versicherte nehmen. Als Wartezeit zählt Arbeitslosigkeit in den letzten 24 Monaten vor der Rente nicht - aber die brauchen Sie ja auch nicht mehr.

  • user
    Jürgen Zander
    am 28.10.2021

    Ein Hinweis fehlt finde ich in dem Artikel.

    Wenn man bereits mit 16 Jahren in den Beruf eingestiegen ist und mit 63 Jahren in Rente gehen will, dann ist es unerheblich ob man die 45 Jahre erreicht. Der Gesetzgeber reduziert in diesem Fall sowieso die Rentenansprüche um 4 x 12 x 0,3 %, weil man die Zugangsvoraussetzungen zur Altersrente für besonders langjährige Versicherte ab dem Jahrgang 1964 nicht mehr erfüllt, oder?

    • user
      Irmgard
      am 28.10.2021

      Jürgen Zander meint eigentlich, dass die

      Rente für besonders langjährig Versicherte ausläuft!

      Mit 16 Arbeitsbeginn, Jahrgang 1964!

    • user
      Christian Schultz
      am 28.10.2021

      Die Altersrente für besonders langjährig Versicherte läuft nicht aus - zumindest nach aktuellem Stand nicht. Alle Jahrgänge ab 1964 können aber frühestens mit 65 über diesen Weg (nach 45 Versicherungsjahren) in die abschlagsfreie Rente.

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