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Aufforderung zur Reha - obwohl das Krankengeld bald ausläuft

Aktuelles Rente Gesundheit

Wer länger als sechs Wochen krank ist, bekommt im Anschluss kein Gehalt mehr. Stattdessen zahlt die Krankenkasse das sogenannte Krankengeld. Immer wieder hören wir von unseren Mitgliedern, dass sie von der Kasse zu einer Reha aufgefordert werden. Teilweise sogar erst ganz am Ende des Krankengeldes.

Aufforderung zur Reha - obwohl das Krankengeld bald ausläuft

Wer langfristig krank ist, bekommt in Deutschland schnell Probleme. Da ist zum einen die Gesundheit selbst: Den passenden Arzt oder Therapeuten zu finden, dauert vielerorts mehrere Monate. Und selbst das ist keine Garantie dafür, dass Sie wieder vollständig genesen. Neben Ihrem körperlichen Wohlbefinden lauern jedoch noch weitere Schwierigkeiten, an die man in der Regel vorher gar nicht denkt.

Und die haben mit dem leidigen Thema Geld zu tun.

Das fängt bereits bei der Höhe des Krankengeldes an. Als Faustformel können Sie sich merken, dass Sie in etwa 20 Prozent weniger in der Tasche haben als beim üblichen Gehaltsscheck. Falls Sie tatsächlich dauerhaft erkranken, reden wir hier über eine ernst zu nehmende finanzielle Belastung.

Noch komplexer wird es, wenn wir über die langfristige Perspektive nachdenken. Denn nach spätestens 78 Wochen endet Ihr Krankengeld. Dann heißt es entweder zurück an die Arbeit, Erwerbsminderungsrente oder die vielleicht merkwürdigste Etappe an dieser Stelle - zum Arbeitsamt. Wenn Sie nicht gerade das Glück haben, zurück in die Firma gehen zu können, sind alle weiteren Optionen mit zusätzlichen finanziellen Einbußen verbunden.

Krankenversicherung will mich in die Reha schicken - und jetzt?

Doch oftmals sind es deutlich weniger als 78 Wochen, bevor Sie sich um die Zeit nach dem Krankengeld Gedanken machen müssen. Denn keine Krankenversicherung freut sich darüber, über mehrere Monate eine teure Lohnersatzleistung zu finanzieren. Insgesamt zahlten im Jahr 2019 alle gesetzlichen Kassen zusammen rund 14,4 Milliarden Euro - nur für das Krankengeld.

Und so ist es nur wenig verwunderlich, wenn die bestehenden Mittel häufig dazu genutzt werden, die betroffenen Versicherten vorzeitig loszuwerden. Besonders beliebt ist dabei das Instrument der Reha.

Wenn Ihre Krankenkasse Ihnen sagt, dass Sie eine Reha machen sollen, dann müssen Sie das auch tun. Basta. Wer Krankengeld bezieht, muss gewisse Mitwirkungspflichten erfüllen. Und im Rahmen der Reha soll unter anderem herausgefunden werden, ob und unter welchen Umständen Sie vielleicht doch noch einmal arbeiten können.

Vielleicht steht im Entlassungsbericht aber auch, dass Sie so kaputt sind, dass an Arbeit auf absehbare Zeit überhaupt nicht mehr zu denken ist. Das ist für die Krankenkasse so eine Art Jackpot. Denn nun sind Sie dazu verpflichtet, einen Antrag zur Erwerbsminderungsrente zu stellen - zumindest, wenn das sogenannte Dispositionsrecht eingeschränkt wurde. Geht dieser Antrag durch, ist die Kasse aus dem Schneider und muss nicht mehr zahlen.

10 Wochen Zeit

Wenn Ihnen eine solche Aufforderung ins Haus flattert, müssen Sie innerhalb von zehn Wochen eine Reha beantragen - und zwar bei der Deutschen Rentenversicherung. Bis diese Maßnahme, die in der Regel drei Wochen dauert, losgeht, können aber gut und gern noch viele weitere Wochen ins Land gehen. Jetzt, während der Corona-Pandemie, dauert sowie alles etwas länger.

Bleiben Sie also erstmal ruhig, wenn Sie zur Reha gedrängt werden. Die Mühlen mahlen langsam, für den Moment ändert sich für Sie nichts.

Schön und gut. Aber warum drängt die Krankenkasse auf eine Reha, wenn ich bald ausgesteuert werde?

Eine gute Frage. Wie wir gerade gelernt haben, dauert es nach der Aufforderung im Normalfall ziemlich lange, bis die eigentliche Reha beginnt. Kommt der Brief der Krankenversicherung also kurz vor dem Ende des Krankengeldes, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Sie als Betroffener ohnehin bald kein Geld mehr von der Kasse erhalten.

Warum ist die Kasse also so heiß darauf, dass Sie solch einen Antrag stellen?

Natürlich geht es wieder einmal um das liebe Geld. Denn falls wirklich Erwerbsminderung festgestellt wird - dann gilt dieser Tatbestand sehr häüfig rückwirkend. Der Leistungsfall kann also für einen Zeitpunkt bestimmt werden, an dem das Krankengeld noch gar nicht so lange gezahlt wurde. Wird die bewilligte EM-Rente nun rückwirkend gezahlt, erhält die Krankenkasse einen großen Teil ihrer Auslagen zurück. Ihr einziger Trost als Betroffener: Von dem Geschachere um die Knete bekommen Sie in der Regel nichts mehr mit, das machen die Sozialleistungsträger unter sich aus.

Fazit

Wenn die Kasse auf eine Reha besteht, müssen Sie sich dem fügen. Das kann auch eine Chance sein, und in jedem Fall bedeutet die Reha nicht, dass Sie sofort auf Ihr Krankengeld verzichten müssen. Falls Sie den Antrag innerhalb von zehn Wochen stellen, sind Sie auf der sicheren Seite. Und dann dauert es noch einmal eine Weile, bis man Ihnen eine Einrichtung zuteilt, wo Sie diese Maßnahme in Anspruch nehmen können.

Aus finanziellen Gründen kommt es vor, dass Sie erst kurz vor der Aussteuerung zu einer Reha aufgefordert werden. Wundern Sie sich nicht, nehmen Sie es nicht persönlich. Es geht einzig und allein ums Geld.

Der Sozialverband Schleswig-Holstein hilft in sozialen Fragen. Wir vertreten unsere Mitglieder bis zum Sozialgericht, zum Beispiel bei Problemen mit der Erwerbsminderungsrente oder dem Behindertenausweis.

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Kommentare (4)

  • Viona
    Viona
    am 07.01.2021
    Hallo,
    Ich stecke gerade in dieser Situation. Die Kasse hat mich aufgefordert einen Reha Antrag zu stellen. Ich kann aber in etwa einem Jahr eine Schwerbehindertenrente ohne Abzüge beantragen, möchte daher jetzt keinen Antrag auf EM Rente. Aber wie komme ich aus dieser Situation raus?
    Danke für eine Antwort.
    • Christian Schultz
      Christian Schultz
      am 08.01.2021
      Hallo Viona, wenn die Krankenkasse auf der Reha besteht, müssen Sie den Antrag innerhalb von 10 Wochen stellen. Da geht es natürlich vor allem um Geld.

      Ob sich in Ihrem Fall noch etwas machen lässt, kann ich von hier aus nicht sagen. Lassen Sie sich am besten individuell beraten. Und zwar anhand Ihrer Unterlagen.
  • Lena
    Lena
    vor 1 Woche
    Hallo,
    danke für Ihre vielen Artikel hier!
    Ich bekomme seit 6 Monaten Krankengeld und meine KK hat mich nun zum Reha-Antrag aufgefordert. Dem werde ich zum Ende der Frist auch nachkommen (muss ich ja). Nun ist es so, dass ich mich derzeit auch bewerbe (davon weiß die KK natürlich nichts), denn in meinen alten Betrieb möchte ich auf keinen Fall zurück; generell wäre ich aber wohl für eine Wiedereingliederung bereit. Meine Therapeutin und Ärztin unterstützen dies auch und raten mir sogar von einer Wiedereingliederung in meinem alten Betrieb ab.
    Nun meine Frage: Was ist, wenn ich in der Zwischenzeit ein Arbeitsangebot bekomme. Kann ich dieses dann annehmen? Oder muss ich dann ggf das Krankengeld wieder zurückzahlen? "Muss" ich dann mit dem Arbeitsantritt warten, bis die Reha vorbei ist?
    Mich stresst das ganz schön!

    Vielen Dank schon mal für die Antwort.
    • Christian Schultz
      Christian Schultz
      vor 1 Woche
      Hallo Lena, normalerweise ist es kein Problem, wenn Sie wieder arbeiten können - die Kasse freut sich ja, weil sie nicht mehr zahlen muss. Sollten doch Schwierigkeiten aufkommen, lassen Sie sich am besten persönlich beraten.

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