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Rente mit 62 – wann ist das möglich?

Behinderung Armut Gesundheit

Rente mit 62. Nein, Sie haben sich nicht verlesen. In diesem Beitrag geht es ausnahmsweise einmal nicht um den abschlagsfreien Ruhestand mit 63, sondern tatsächlich um die Rente mit 62. Unter welchen Voraussetzungen das überhaupt möglich ist? Was Sie dafür tun müssen? Wir erklären es Ihnen.

Mann in einer Werkstatt

Erst einmal zum Verständnis: In diesem Artikel beschäftigen wir uns mit der Altersrente. Wer gesundheitlich sehr stark eingeschränkt ist, kann selbstverständlich viel früher als zum 62. Geburtstag eine Rente beziehen – dann allerdings nur wegen Erwerbsminderung. Eine solche Erwerbsminderungsrente fällt in der Regel deutlich niedriger aus als eine Rente wegen Alters. Wenn das so ist und Sie ein wenig Entscheidungsspielraum haben, sollte der Umweg über die EM-Rente daher in den meisten Fällen vermieden werden.

Um eine vorzeitige Altersrente ab 62 in Anspruch nehmen zu können, gibt es tatsächlich nur einen Weg. Darüber hinaus möchten wir Ihnen in diesem Beitrag jedoch auch vorstellen, wie Sie über den Zwischenstopp Arbeitslosengeld schon früher aufhören können zu arbeiten.

Beginnen wir mit dem direkten Start in die Altersrente mit 62.

Altersrente mit 62 beziehen

Diese Option steht Ihnen immer nur dann offen, wenn Sie zum Zeitpunkt Ihres Rentenbeginns eine Schwerbehinderung vorweisen können. Das bedeutet: Ihr zuständiges Versorgungsamt – in Schleswig-Holstein handelt es sich zum Beispiel um das Landesamt für soziale Dienste – stellt einen Grad der Behinderung von mindestens 50 fest. Nur so kommen Sie an den Schwerbehindertenstatus, der zu einem früheren Renteneintritt berechtigt.

An dieser Stelle möchten wir auf einen leider häufig vorkommenden Fehler hinweisen: Die meisten unserer Mitglieder, die zum ersten Mal in unsere Sozialberatung kommen, sind im Alter zwischen 50 und 60. Das ist die Zeitspanne, in der viele Menschen zum ersten Mal in ihrem Leben richtig krank werden. Und hier sprechen wir nicht von irgendwelchen Wehwehchen, sondern von schweren chronischen Erkrankungen. Am Herz, der Wirbelsäule oder der Psyche.

Wenn es dann langsam auf die Altersrente zugeht, haben viele Betroffene bereits einen Schwerbehindertenausweis – und somit die Option, früher aus dem Arbeitsleben auszuscheiden. Was jetzt nicht passieren darf: Stellen Sie auf gar keinen Fall einen sogenannten „Verschlimmerungsantrag“, ohne sich vorher informiert zu haben. Wenn es ganz unglücklich läuft, besteht die Gefahr, dass Sie Ihren Schwerbehindertenstatus verlieren.

In der Tabelle sehen Sie, dass eine Altersrente mit 62 sogar noch möglich ist, wenn Sie im Jahr 1964 oder später geboren sind. Allerdings müssen Sie hierfür einen Abschlag in Kauf nehmen. Jeder Monat, die Sie vorzeitig in Rente wollen, „kostet“ Sie 0,3 Prozent. Bei maximal drei Jahren wären das 10,8 Prozent, auf die Sie fortan dauerhaft verzichten würden. Die Frage bei der Altersrente mit 62 lautet also: Kann und will ich mir das leisten?

Rente mit 62 mit Zwischenstation beim Arbeitsamt

Wenn Sie auch ohne anerkannte Behinderung früher Ihren Ruhestand antreten wollen, können Sie mit 62 noch keine Altersrente beziehen. Es gibt allerdings eine Option, bei der Sie zumindest mit 62 (oder noch früher) aus dem Arbeitsleben ausscheiden können. Die Zeit bis zur Rente überbrücken Sie dann mit Arbeitslosengeld.

Wenn Sie einige Jahre im Angestelltenverhältnis berufstätig waren, stehen Ihnen ab Erreichen des 58. Lebensjahres zwei Jahre Arbeitslosegeld zu. Wenn Sie also Ihren Job verlieren oder wenn Sie sich mit Ihrem Betrieb auf einen Aufhebungsvertrag einigen, können Sie im Anschluss bis zu 24 Monate Arbeitslosengeld beziehen. Ohne Schwerbehinderung ist eine Altersrente ab 63 möglich – falls Sie es darauf anlegen, könnten Sie demnach zu Ihrem 61. Geburtstag Ihren letzten Tag in der Firma feiern.

Vorsicht – dieser Weg beinhaltet zahlreiche Stolpersteine.

Zunächst müssen Sie in Erfahrung bringen, ob Sie die rentenrechtlichen Voraussetzungen für eine vorgezogene Rente erfüllen. Entweder benötigen Sie 35, vielleicht aber sogar 45 Versicherungsjahre. Und nicht jede Etappe in Ihrem Lebenslauf zählt bei den 45 Jahren mit, nur weil sie bei den 35 Jahren Wartezeit berücksichtigt wird. Eine akribische Vorbereitung ist also absolut unerlässlich, wenn Sie über diese Option früher kündigen möchten.

„Kündigen“ ist ein wichtiges Stichwort: Sowohl beim Aufhebungsvertrag als auch bei einer Kündigung, die von Ihnen ausgeht, droht eine zwölfwöchige Sperre bei der Arbeitsagentur. In dieser Zeit bekommen Sie kein Geld – und die knapp drei Monate zählen auch nicht für die Rente mit.

Besonders aufpassen müssen Sie, falls Sie eine Altersrente für langjährig Versicherte anstreben – also die Rente nach 45 Jahren. Denn die letzten 24 Monate unmittelbar vor dem Beginn Ihrer Rente zählen nicht als Wartezeit, wenn Sie arbeitslos sind. Mit anderen Worten: Wenn Sie erst 43 Versicherungsjahre komplett haben und dann in die Arbeitslosigkeit gehen, verlieren Sie Ihren Anspruch auf die abschlagsfreie Rente. Wie Sie diese Gefahr umgehen, können Sie in diesem Beitrag nachlesen.

Fazit: Mit 62 in die Rente? Das geht!

Wenn Sie langfristig planen, ist ein früherer Ruhestand also absolut in Reichweite. Mit Schwerbehinderung ist eine Rente mit Abschlägen bis zu fünf Jahre vor dem Erreichen der Regelaltersgrenze drin. Aber auch wenn Sie keine anerkannte Schwerbehinderung vorweisen können, wäre eine vorzeitige Kündigung denkbar. Doch hier gilt: Ob es sich lohnt, muss immer anhand der individuellen Verhältnisse entschieden werden. Wer über eine üppige Zusatzrente verfügt, kann bei etwaigen Abzügen vielleicht mit der Schulter zucken. Ist die gesetzliche Rente jedoch die Haupteinnahmequelle für den Lebensunterhalt, sieht das schon wieder anders aus.

Der Sozialverband Deutschland hilft in sozialen Angelegenheiten. Wir vertreten unsere Mitglieder bis zum Sozialgericht, unter anderem bei Auseinandersetzungen rund um das Thema Rente und Behinderung.

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Kommentare (15)

  • Michael Petruk
    Michael Petruk
    am 02.10.2020
    Hallo habe eine Schwerbehinderung von 80% mehrere Bandscheibenvörfälle Epelepsie Verlust des rechten Beines wurde letztes Jahr das 5mal abgelehnt.was kann ich tun.
  • Christian Schultz
    Christian Schultz
    am 02.10.2020
    Hallo Michael, wenn Sie einen Grad der Behinderung von 80 haben, sind Sie doch bereits offiziell schwerbehindert. Für die Altersrente für schwerbehinderte Menschen müssen Sie beim Antrag nur noch die 35 Versicherungsjahre in der Rentenkasse vorweisen - dann können Sie vorzeitig in Rente.
  • A. W.
    A. W.
    am 05.11.2020
    Hallo Herr Schultz, ich habe einen Schwerbehindertengrad von 60 und bin seit Juli 2019 arbeitsunfähig. Aus der Reha wurde ich arbeitsunfähig entlassen. Vor kurzem hat die DRV entschieden, dass ich rückwirkend zum 01.04.2020 eine volle Erwerbsminderungsrente erhalte, allerdings befristet bis Ende Februar 2022. Gibt es hiernach auch die Möglichkeit, eine vorgezogene möglichst abschlagsfreie Altersrente zu erhalten? Was raten Sie mir?
  • Christian Schultz
    Christian Schultz
    am 06.11.2020
    Hallo, ob Sie vorzeitig in Altersrente gehen können, hängt am Geburtsjahr und an der Anzahl von Versicherungsjahren. Wenn Sie über 55 sind, bekommen Sie alle drei Jahre automatisch eine Rentenauskunft - da können Sie sehen, wie es um Ihre Wartezeit bestellt ist. Mit SB-Ausweis würde sich die Altersrente für schwerbehinderte Menschen anbieten.
  • Ute Ketels
    Ute Ketels
    am 07.11.2020
    Hallo, wie schaut es bei Beamten aus?
  • Christian Schultz
    Christian Schultz
    am 09.11.2020
    Hallo Ute, das kann ich Ihnen leider nicht beantworten. Beim SoVD beraten wir nur zum Sozialrecht. Fragen Sie am besten einmal direkt in der Personalstelle Ihrer Behörde nach!
  • Wolfgang schmitt
    Wolfgang schmitt
    am 14.11.2020
    Hallo.ich habe mit 62Jahren bereits die 45 Beitragsjahre erreicht.wie ist es wenn ich mich arbeitslos melde und das Arbeitsamt mich weitervermitteln will.muss ich diese stellen annehmen.ich arbeite im Gesundheitswesen.
  • Christian Schultz
    Christian Schultz
    am 16.11.2020
    Hallo Wolfgang, wenn Sie Arbeitslosengeld erhalten, sind Sie verpflichtet, sich um eine neue Stelle zu bemühen. Ob das in dem Alter dann noch realistisch ist, bleibt natürlich eine andere Frage: https://www.sovd-sh.de/2020/04/02/arbeitslos-kurz-vor-der-rente-muss-ich-mich-noch-bewerben/
  • Peter Will
    Peter Will
    am 22.12.2020
    Guten Tag Herr Schultz,
    Ich bin Jahrgang 62 und werde 2024 meine 45 Beitragsjahre erreichen. Gleichzeitig habe ich einen Behinderungsgrad von 50%. Gibt es eine Kombination aus "besonders langjährig versichert" und Behinderung? Werden beide Faktoren berücksichtigt, so dass ich mit 62 in Rente könnte? Oder zieht nur ein Faktor?
    • Christian Schultz
      Christian Schultz
      vor 2 Wochen
      Moin Peter, eine berechtigte Frage - aber die Schwerbehinderung hilft Ihnen bei der Altersrente nach 45 Jahren Wartezeit leider nicht. Es handelt sich um zwei voneinander getrennte Formen der vorgezogenen Altersrente.
  • no name
    no name
    vor 2 Wochen
    Jahrgang 1962,42Arbeitsjahre, 50% Schwerbehinderung
    Mein Arbeitsvertrag läuft im Noverber ab.Könnte ich mit ALG 1 und MInijob die Zeit bis zur Rente mit besonders langjährig Versicherten beziehen und ab wann
    • Christian Schultz
      Christian Schultz
      vor 1 Woche
      Wenn Sie mit Arbeitslosengeld (inklusive Minijob) auf 45 Jahre kommen, reicht das. Ihre Altersrente für besonders langjährig Versicherte bekommen Sie mit Jahrgang 1962 aber frühestens mit 64 Jahren und acht Monaten.
  • Langer
    Langer
    vor 1 Woche
    Hallo ich bin 62 Jahre und habe 47 Arbeitsjahre um könnte ich Abschlags frei in Rente gehen ?
    • Christian Schultz
      Christian Schultz
      vor 1 Woche
      Moin Langer, nein, auch nach 45 Versicherungsjahren können Sie erst zwei Jahre vor der Regelaltersgrenze abschlagsfrei in die Rente. Die dazugehörige Tabelle für alle Jahrgänge finden Sie hier: https://www.sovd-sh.de/aktuelles/meldung/artikel/rente-nach-45-jahren
  • Mailänder Marion
    Mailänder Marion
    vor 15 Stunden
    Hallo ich überlege ob mann die abschlagsfreie Rente nach 45 Arbeitsjahren vor Gericht nicht einklagen kann....finde 45 Jahre Arbeit sind genug ...mann lebt ja nur 1 mal....hat das schon jemand probiert ?

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