Direkt zu den Inhalten springen

Letzte 24 Monate vor Rente arbeitslos: Was bedeutet das für die Wartezeit?

Aktuelles Rente Armut

In den letzten zwei Jahren vor dem Rentenstart sollten Sie nicht arbeitslos werden. Doch welche negativen Auswirkungen der Bezug von Arbeitslosengeld wirklich nach sich zieht, hängt von mehreren Faktoren ab.

Letzte 24 Monate vor Rente arbeitslos: Was bedeutet das für die Wartezeit?

Ein Jobverlust ist - rein finanziell betrachtet - immer problematisch. Denn das nun folgende Arbeitslosengeld ist in jedem Fall deutlich niedriger als Ihr letzter Netto-Verdienst. Falls Sie die Voraussetzungen zum Arbeitslosengeld I gar nicht erst erfüllen, droht gar der Gang zum Jobcenter. Inklusive Vermögens- und Einkommensprüfung für Sie und Ihren Lebenspartner.

Unmittelbar vor der Rente muss noch ein weiterer Punkt beachtet werden: Denn für jegliche Art von Altersrente müssen gewisse Kriterien erfüllt sein - die sogenannte Warte- oder Versicherungszeit.

Arbeitslosigkeit und Wartezeit

Wenn wir es auf den Punkt bringen wollen, bedeutet das: Immer wenn Sie Arbeitslosengeld I oder II erhalten, hat das auch Auswirkungen auf Ihre spätere Rente. Erstens sinken Ihre Rentenansprüche, da nun weniger Beiträge auf Ihr Rentenkonto fließen. Und zweitens, weil mitunter Lücken in der Wartezeit für Ihre späteren Rentenpläne entstehen können.

Doch atmen wir einmal kurz durch. Denn in den meisten Fällen bedeutet Arbeitslosigkeit erst einmal nicht den Weltuntergang - zumindest mit Blick auf die Versicherungszeit in der Deutschen Rentenversicherung.

Drei Arten der vorgezogenen Altersrente

Wenn es um die ganz normale Regelaltersrente geht, müssen Sie sich überhaupt keine Sorgen machen. Denn hier sind lediglich fünf Versicherungsjahre vonnöten. Kritisch kann es werden, wenn wir über eine vorgezogene Altersrente sprechen. Und hier gibt es drei verschiedene Varianten. Die mit Schwerbehindertenausweis, die nach 45 Versicherungsjahren und die klassische "Rente mit 63".

Altersrente für schwerbehinderte Menschen

Neben dem Schwerbehindertenausweis - also einem Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 50 - muss Ihr Rentenkonto für diese Rentenart mindestens 35 Versicherungsjahre aufbieten.

Die wichtige Botschaft lautet: Diese 35 Jahre müssen nicht unbedingt aus reinen "Arbeitsjahren" zusammengesetzt sein. Natürlich ist das die einfachste Möglichkeit, auf Versicherungszeiten in der Rentenversicherung zu kommen. Aber bei dieser Wartezeit spielt auch eine ganze Palette weiterer Ereignisse aus Ihrem Lebenslauf eine Rolle.

Arbeitslosigkeit stellt an dieser Stelle überhaupt kein Problem dar. Sowohl Arbeitslosengeld I als auch "Hartz IV" zählen voll zur Wartezeit. Unbegrenzt, selbst wenn Sie über viele Jahre hinweg auf Jobsuche waren. Diese Zeiten werden bei den 35 Jahren voll berücksichtigt.

Altersrente für langjährig Versicherte

Die "Rente mit 63" ist nur mit Abschlägen zu haben. Häufig wird diese Variante mit der abschlagsfreien "Altersrente für besonders langjährig Versicherte" verwechselt. Aber was die Wartezeit angeht, läuft es hier ganz genau so wie bei der Schwerbehindertenrente - wir benötigen 35 Versicherungsjahre. Und auch hier macht Ihnen Arbeitslosigkeit keinen Strich durch die Rechnung.

Altersrente für besonders langjährig Versicherte

Bei dieser Variante müssen Sie zum Rentenstart mindestens 45 Versicherungsjahre auf dem Konto haben. Doch jetzt wird es interessant. Denn bei dieser ganz besonderen Form der Wartezeit zählt nur das Arbeitslosengeld I mit. Nicht "Hartz IV". Und auch nicht die frühere Arbeitslosenhilfe. Wenn Sie also aufgrund unglücklicher Umstände über mehrere Jahre arbeitslos gewesen sind, kann das ein großes Problem bei der Wartezeit bedeuten.

"Sie wissen nicht, welche Wartezeiten Sie erfüllen? Ab 55 erhalten Sie alle drei Jahre die sogenannte Rentenauskunft von der DRV. Darin finden Sie unter anderem wesentliche Infos über Ihre Versicherungszeiten."

Christian Schultz
SoVD Schleswig-Holstein

Bei der Rente nach 45 Versicherungsjahren zählt also nur der Bezug von ALG I. Jedoch mit einer wichtigen Ausnahme - nicht in den letzten 24 Monaten vor dem Beginn dieser Rentenart. Mit diesem gesetzlichen Kniff wollte die damalige Bundesregierung verhindern, dass sich geburtenstarke Jahrgänge weitere zwei Jahre früher in die abschlagsfreie Rente verabschieden.

24 Monate vor der Rente: Arbeitslosigkeit vermeiden

Wenn es um die Altersrente nach 45 Jahren geht, müssen Sie beim Thema Arbeitslosigkeit also besondere Vorsicht an den Tag legen. Auch wenn die letzten zwei Jahre vor dem Rentenbeginn nicht als Wartezeit anerkannt werden: Rentenbeiträge zahlt die DRV in dieser Zeit trotzdem auf Ihr Konto. In gewohnter Höhe, also auf Grundlage von 80 Prozent Ihres letzten Bruttogehalts.

Es ist auch nicht so, dass die letzten zwei Jahre komplett für die Versicherungszeit verloren gehen, wenn Arbeitslosigkeit dazwischenkommt. Wer also zwischendurch arbeitet, bekommt in dieser Phase zusätzliche Monate für die Wartezeit dazu. Hierfür ein Beispiel.

Petra aus Heide hat 44 Versicherungsjahre und neun Monate zusammen, als sie ihren Job verliert. Unglücklicherweise genau zwei Jahre vor dem geplanten Start in die Altersrente für besonders langjährig Versicherte. Nun bezieht sie Arbeitslosengeld I. Doch sie hat Glück: Schon nach einem halben Jahr findet sie eine neue Stelle und zahlt somit wieder Pflichtbeiträge an die DRV.

Leider verliert Petra diesen Job bereits nach fünf Monaten - im Rahmen der Probezeit. Nun erhält sie ihren restlichen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Die fünfmonatige Beschäftigungszeit wird bei der 45-jährigen Wartezeit voll angerechnet. Obwohl es sich um die letzten 24 Monaten vor dem Rentenstart handelt. Und obwohl Petra davor und danach ALG I bezogen hat.

Fazit

Der Bezug von Arbeitslosengeld wird bei allen Formen der vorgezogenen Altersrente als Wartezeit berücksichtigt. Lediglich die letzten 24 Monate vor der Altersrente für besonders langjährig Versicherte sind kritisch. Zwar werden in dieser Phase Rentenbeiträge durch die Arbeitsagentur abgeführt. Als Wartezeit findet diese Situation jedoch keine Anerkennung.

Sie müssen den Kopf jedoch nicht in den Sand stecken. Denn selbst wenn Sie Ihren Job in dieser heiklen Phase verlieren und auf Arbeitslosengeld angewiesen sind, gibt es Mittel und Wege, wie Sie Ihre 45-jährige Versicherungszeit doch noch vervollständigen können.


Kommentare (2)

  • user
    Ansgar
    am 01.12.2022

    Hallo,

    wenn jetzt tatsächlich nur noch ein paar Monate fehlen ("Petra aus Heide hat 44 Versicherungsjahre und neun Monate zusammen..."), kann Petra dann neben dem ALG 1 auch noch einen Minijob ausüben, für den doch auch Rentenversicherungsbeiträge gezahlt werden, um die 45 Jahre voll zu kriegen? Dieser Minijob natürlich nur so Mini, dass das ALG 1 nicht gekürzt wird.

Neuen Kommentar schreiben

Das Feld Name muss ausgefüllt sein.
Bitte geben Sie Ihren Namen ein.
Das Feld E-Mail muss ausgefüllt sein.
Die eingegebene E-Mail Adresse ist nicht korrekt.
Der Kommentar darf nicht leer sein.
Bitte stimmen Sie der Datenschutzbestimmungen zu.

Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.